// 11. Stadtbahn Forum: Schloss Hohenkammer, München

Was bleibt, ist die Veränderung; was sich verändert, bleibt (Dr. Michael Richter * 1952, dt. Zeithistoriker und Aphoristiker). Mit diesem Zitat wurde das 11. Stadtbahn Forum am 21. Mai 2015 eröffnet.

Die 2-tägige BahnWege-Seminare-Veranstaltung hat sich längst als jährlicher Branchentreff für Kommunale Verkehrsunternehmen etabliert und fand mit 150 Teilnehmern im historischen Ambiente des Tagungszentrums Schloss Hohenkammer vor den Toren von München statt.

Nicht nur die Unternehmen der Bahnindustrie, auch der öffentliche Personennahverkehr unterliegt einem steten Wandel. Er hat viele Stärken und ist mehr denn je ein wichtiger und nachhaltiger Mobilitätsdienstleister. Um diese Stärken auf Dauer halten und damit die ökologische Vernunft mit den ökonomischen Vorteilen in Einklang bringen zu können, ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung des ÖPNV erforderlich.

Es war uns daher eine große Freude hochkarätige Experten aus Wissenschaft und Praxis mit ausgewählten Vorträgen u.a. zu den Wettbewerbsfaktoren Bautechnik, Planung und Personal zu begrüßen, denn diese Faktoren beeinflussen nachhaltig die Stärke und Attraktivität eines Verkehrsträgers.

Auch im 11. Jahr erlebten die Teilnehmer ein spannendes Forum mit intensiven Diskussionen, angeregtem Gedankenaustausch und gutem „Networking“. Das breitgefächerte Themenangebot fand sehr guten Zuspruch. Die begleitende Ausstellung bot zudem die Möglichkeit, sich über innovative Produkte und Leistungen zu informieren.

Die Themen des 11. Stadtbahn Forums:

BAUEN 4.0 - Nachhaltiger mit System: Energieeffizientes und nachhaltiges Bauen stand im Fokus des Vortrags von Hubert Rhomberg (Rhomberg Sersa Rail Group, Abbildung 1). Das beste Material, umfangreiches Wissen und die richtige Technologie – es sind diese drei Faktoren, die Bauprojekte prägen werden. Das wichtigste und zugleich nachhaltigste Material ist Holz. Wissen und Technologie stecken hier im Detail: Systemisch und hochqualitativ konstruiert, standardisiert und kosteneffizient vorgefertigt. Die systemische Bauweise der Smart Buildings ermöglicht es, Hochhäuser mit bis zu 30 Stockwerken und 100 Metern Höhe in nur 6 Monaten zu errichten. Die patentierte Komponententechnologie revolutioniert durch serielle Vorfertigung nicht nur das qualitativ hochwertige und dennoch kosteneffektive Bauen selbst, sondern auch das bisherige Bild einer Baustelle: denn die Gebäude werden staub- und emissionsreduziert am Bauplatz montiert.

Wie geht Mobilität morgen? – Trends aus der Mobilitätsforschung war das Thema von Dr. Martin Kagerbauer (Karlsruher Institut für Technologie): Mobilität, also die Ortsveränderungen von Personen zur Erledigung von Aktivitäten und Mobilitätsverhalten wird zunehmend variabler. Die Personen in Deutschland nutzen für ihre Wege das Verkehrsmittel, das für die aktuelle Situation gerade am besten geeignet ist. Dieses multimodale Verhalten bedeutet, dass auf unterschiedlichen Wegen unterschiedliche Verkehrsmittel, sei es der Pkw, der ÖV oder das Fahrrad genutzt werden. Neben dem zunehmenden multimodalen Verkehrsverhalten nehmen auch die intermodalen Wege in Anzahl und Umfang zu. Intermodalität bedeutet, dass mehrere Verkehrsmittel innerhalb eines Weges kombiniert werden (z.B. mit dem Fahrrad zur ÖV-Haltestelle oder die Kombination von Pkw und ÖV).

Die Novellierung der BOStrab: Die Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen (Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung - BOStrab) ist bis auf wenige Stellen in der heutigen Fassung vor rund 30 Jahren erarbeitet worden. Oktay Yurdakul (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Abt. Verkehr, Berlin) berichtete aus erster Hand über den aktuellen Stand des Veränderungsprozesses. Die erforderlichen Arbeiten zur Einleitung des Bundesratsverfahrens treibt das zuständige Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur derzeit aktiv voran.   

HOAI 2013 und der Verkehrsplaner- Honorarerhöhung oder Haftungsgrab? Dr. Heiko Fuchs (Kapellmann Rechtsanwälte) ging in seinem Vortrag auf wesentliche Änderungen der HOAI ein. Vor gut zwei Jahren wurde die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) novelliert. Mit der neuen HOAI wurden nicht nur die Honorare angehoben, sondern auch die Leistungsbilder geändert und vor allem erweitert, auf deren Grundlage planende Architekten und Ingenieure regelmäßig ihre Leistungen erbringen. Diese Änderungen haben auch erhebliche Auswirkungen auf den Leistungsumfang und die Honorierung der Objektplaner für Verkehrsanlagen, also insbesondere auch für Anlagen des Schienenverkehrs, und damit Gleis- und Bahnsteiganlagen.

Internationale Tram-Projekte
Die Renaissance der Straßenbahn trägt seit vielen Jahren weltweit zur Lösung von Verkehrsproblemen in Großstädten und Ballungsräumen bei. Neben neuen Tram-Netzen wird vor allem auch der grenzüberschreitende Verkehr forciert. Drei interessante Projekte wurden im Rahmen dieser neuen Rubrik von Insidern vorgestellt:

  • Gerd Hirschelmann (Verkehrs-Consult Leipzig): Tram-Projekt Edinburgh – die Renaissance der Straßenbahn in Schottland

  • Katrin Norkauer (Ramboll Transport Germany): Die neue Stadtbahn für Kopenhagen - die perfekte Ergänzung des Nahverkehrs

  • Alain Giesi (Compagnie des Transports Strasbourgeois): Grenzüberschreitende Straßenbahn- Verlängerung der Tramlinie von Straßburg nach Kehl

Diese Verkehrsprojekte befinden sich noch in der konkreten Planung oder sind bereits teilweise realisiert. Sie bieten dennoch einen guten Einblick in die zum Teil sehr unterschiedlichen Anforderungen und Vorgehensweisen in den einzelnen Ländern.

Bedarfsgerechte Straßenbahn-Infrastruktur Die Qualität des Oberbaus ist das Resultat des Zusammenwirkens der Teilsysteme „Schiene“ und „Straße“ mit ihren einzelnen Bauteilen und Komponenten, die in der Bauplanung, Konstruktion, Fertigung und Bauausführung materialisiert wurden. Gegenüber dem offenen Oberbau mit Vignolschienen weist der „klassische“ Straßenbahnoberbau Besonderheiten auf.

Die Schnittstelle Gummirad/Schiene und Stahlrad/Schiene etwa oder die aufwändige Eindeckung zur Sicherung der Überfahrbarkeit und eine parallele Trassennutzung durch den Busverkehr. In diesem Kontext standen drei interessante Vorträge zur Bautechnik:

  • Reinhold Rensing (R² railconsult): Rillenschienenweichen – mögliche Einbaufehler erkennen und vermeiden

  • Udo Lenz (I.B.U.): Elastischer Oberbau - Qualitätssicherung durch Anwendung der DIN 45673

  • Wolfgang Dörr: Vorgezogene Zungenvorrichtungen in Vignolschienenausführung

Instandhaltungsqualität Infrastruktur
Die schleiftechnische Bearbeitung ist das wesentliche Element einer wirtschaftlichen Schieneninstandhaltung. Die Verkehrsbetriebe Zürich haben als erstes Verkehrsunternehmen zentrale Festlegungen profilgeometrischer und qualitativer Kennwerte erarbeiten lassen, die beim Schleifen von Gleisen und Anlagen im Bereich ihres Straßenbahnnetzes relevant sind. Das neue Schleifhandbuch definiert die spezifischen Zielprofile mit ihren Nennformen und Herstellungstoleranzen auch unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Vertretbarkeit für Streckengleis und Weichen-/Kreuzungsanlagen. Auch Beurteilungskriterien der Schleifqualität und die Prüfungsumfänge zur Abnahme von Schleifarbeiten sind Bestandteil des Schleifhandbuches. Vier Prozessbeteiligte berichteten über die Entwicklung spezifischer Anforderungen für das Schienenschleifen bei den VBZ:

  • Hansruedi Imhof (Verkehrsbetriebe Zürich): Administrative Anforderungen 

  • Dr. André Theiler (Institut für Bahntechnik): Theoretischer Hintergrund

  • Heinz Brackmann (Rail + Track Consult): Praktische Anforderungen für das Schleifen von Anlagen

  • Hanspeter Müller (Zehnder): Konkrete Umsetzung in der Praxis

Personalrekrutierung
Beim Thema Stellenbesetzung, egal ob Facharbeiter oder Führungskräfte, stehen die Verkehrsunternehmen häufig mit namhaften Konzernen in Konkurrenz. Erschwerend kommt hinzu, dass der Tarifvertrag oftmals im Vergleich zur freien Wirtschaft einfach unattraktiver ist und die Spezifika der fachlichen Anforderungen des öffentlichen ÖPNV´s einzigartig ist. Es ist also kaum möglich die erforderlichen Fachkräfte am Markt abzugreifen. Stefan Stecher (SSB) stellte in seinem Vortrag „Personalgewinnung in Zeiten des Fachkräftemangels“ das Modell der Stuttgarter Straßenbahnen AG für die Stellenbesetzung vor.

E-Mobility zum Anfassen
Anstelle der sonst üblichen Exkursion wurde als praxisnahe Fortsetzung der Mobilitäts- und Nachhaltigkeitsthemen „e-Mobility zum Anfassen“ angeboten. Hier hatten Teilnehmer die Möglichkeit, e-Bikes, Segways, e-Cars anzuschauen und auch Probe zu fahren. Ein brandneuer Tesla „Model S“ avancierte dabei zum absoluten Publikumsliebling.

Die Vorträge und Fotos von der Veranstaltung können per Download-Link bei Tina Gruber (tina.gruber(at)bahnwege-seminare.de) angefordert werden.

Auch dieses Forum ist von der Ingenieurkammer-Bau NRW als Fortbildungsveranstaltung (gemäß § 6 der FuWO) für Ingenieure/Beratende Ingenieure Reg. Nr. 31774 anerkannt.

Wir freuen uns schon auf die nächsten Veranstaltungen:
Das Eisenbahn Forum, das in der Zeit vom 19.-20. November 2015 für die Zielgruppe Vollbahn im Schloss Hohenkammer stattfindet.

Das 12. Stadtbahn Forum ist für den 10.-11. Mai 2016 in Kassel geplant.

Pressekontakt:

Rhomberg Sersa Rail Group
Mariahilfstraße 29, A-6900 Bregenz
Kontakt: Mag. Matthias Moosbrugger
T: +43 5574 403-195, F: +43 5574 403-99195
E-Mail: matthias.moosbrugger(at)rhomberg-sersa.com

Links: www.schlosshohenkammer.de

01.06.2015